WER SCHREIBT, WIRKT AM WERDEN DER WELT MIT


Am Anfang war Karlgeorg Hoefer und seine Idee, die Freude am Schreiben einem größeren Kreis Interessierter zu vermitteln, und zwar mit der gleichen Begeisterung, die er bei seinem Kontakt mit Kalligraphen in den Vereinigten Staaten selbst erlebte.
Doch alles der Reihe nach: Nach Abschluß seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, folgte Karlgeorg Hoefer einer Einladung des amerikanischen Kalligraphen, Schrift- und Graphik-Designers sowie Lehrers, Larry Brady, in den Vereinigten Staaten einen Schreib-Workshop zu geben, dem später noch mehrere folgen sollten. Dieses Ereignis beeindruckte ihn sehr und er beschloß, auch hierzulande solche Workshops einzurichten. Unterstützt von seiner Frau Maria gründete er 1982 in Offenbach die »Schreibkurse für Jedermann«.
Die erfolgreiche Entwicklung dieser Schreibkurse veranlaßte Karlgeorg Hoefer im Jahr 1987 zusammen mit zwölf seiner Teilnehmer – wenn man so will seinen zwölf Aposteln, von denen die Hälfte Frauen waren –, die »Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach Förderkreis Internationaler Kalligraphie« ins Leben zu rufen. Wie er bei der Gründung betonte, »sei dies eine Vereinigung, deren Hauptanliegen die Pflege des Kulturgutes Schrift auch in Hinblick auf das Schriftschreiben« ist.

Karlgeorg Hoefer sah sich in der Tradition von Rudolf Koch, dem bedeutenden Schriftgestalter bei der Schriftgießerei Klingspor Offenbach und Mitbegründer des expressiven Schriftschreibens, dem die heutige Kalligraphie viele ihrer Impulse verdankt. Zudem fühlte er sich demKlingspor-Museum, der Institution in Offenbach, die das Kulturgut Schrift zu bewahren sucht, sehr verbunden. Was lag also näher, in den Namen der Vereinigung, gleichsam als Programm, den Namen Klingspor aufzunehmen. Herta Klingspor, eine Verwandte von Karl Klingspor, dem verstorbenen Besitzer der Schriftgießerei, erlaubte Karlgeorg Hoefer, den Namen zu verwenden und trat auch gleich selbst der Vereinigung bei.

Karlgeorg Hoefer begeisterte als Lehrer, »weil er sein Wissen und Können uneingeschränkt weiterzugeben bereit war«, weshalb alle, »die bei  ihm lernen wollten, Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelten, die die Grundlage für eigene kreative Arbeit ermöglichten.« Diese von ihm vermittelte Freude am Schriftschreiben übertrug sich auf Schriftbegeisterte aus ganz Deutschland und dem näheren Ausland. Kein Wunder also, daß Karlgeorg Hoefers Vorbild zu zahlreichen Gründungen ähnlicher Vereinigungen in Deutschland, Belgien, Holland etc. führte. »Seine offene Art ließ ein Magnetfeld entstehen«, das zahllose Schriftkünstler aus aller Welt anzog. Diese erklärten sich gerne bereit, als Dozenten für ein Wochenende in Offenbach zu unterrichten oder gar eine Woche lang, die von ihm ins Leben gerufenen Sommerschulen zuleiten. Im Laufe der Jahre kam so eine umfangreiche Liste von Dozenten zusammen, die in der Welt der Kalligraphie Rang und Namen haben:
Marsha Brady, Larry Brady, Rick Cusick, Julian Waters, John Stevens, Suzanne Moore, Thomas Ingmire, Susan Skarsgard, Anna und Arne Wolf, Alan Blackman, Steven Skaggs, Laurie Doctor, Georgia Deaver und Carl Rohrs aus den USA, Villu Toots (EST), Ewan Clayton (UK), Jean Larcher und Denise Lach (F), Brody Neuenschwander (B), André Gürtler (CH), Denis Brown (IRL), Monica Dengo (I), Jovica Veljovic (YU/D),Hans-Joachim Burgert (D), Gottfried Pott (D).
Inzwischen ist das gesamte Kursangebot der Schreibwerkstatt Klingspor auf mehr als 300 Schriftseminare angewachsen. Und besonders beeindruckend dabei ist die Teilnahme von bisher über 4500 Schreiber aus dem In- und Ausland.

Satzungsgemäß unterhält die Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach ein Archiv, das im Jahre 1993 in den Räumen eines Hauses mietfrei – dank der Großzügigkeit eines Mitglieds – im Zentrum von Offenbach eingerichtet wurde. Nachdem diese Immobilie veräußert wurde, zog das Archiv nach Offenbach-Rumpenheim um, wo ein ehemaliger Industrieraum vorwiegend in Eigenregie renoviert wurde.

Am 8. Februar 2009 wurde das Archiv, das von nun an zu Ehren des Gründers und seiner Frau »Karlgeorg und Maria Hoefer Archiv« heißen sollte, mit einem Festakt eröffnet. Mittlerweile hat sich dieser Ort zu einer regelmäßig besuchten Begegnungsstätte entwickelt, in der auch schon mehrere Ausstellungen, die Weggefährten Karlgeorg Hoefers ehrend,

stattgefunden haben und damit über deren zeitgenössisches Wirken Auskunft gaben.
Weitere Fotos vom Archiv


Am 8. Oktober 2000 starb Karlgeorg Hoefer im 87igsten Lebensjahr, doch seine Idee lebt weiter. Sein Erbe wird inzwischen von über 240 Mitgliedern bewahrt und vermehrt. Der Weg, den er uns aufgezeigt hat, ist voller Abenteuer. Optimistisch schauen wir in die Zukunft, und gemeinsam setzen wir diesen Weg fort.

Ehrenplatz für Karlgeorg und Maria Hoefer im Archiv

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Kursiv gesetzt: Sigrid Hammon, Textauszüge aus dem Jahresheft 2001 »Harmonie zwischen Mensch und Kunst« zum Gedenken an Karlgeorg Hoefer



Weiteres Auszüge aus dem gleichen Artikel:

Zeichen und Schrift von Karlgeorg Hoefer mit einem Zitat von Rudolf Koch


»... Ein Suchender. der sich führen ließ im Vertrauen auf göttliche Gnade, die ihm immer neue Kraft gab für alle Aufgaben, die er sich in seinem Leben zu stellen hatte. ...
... Die Kurse, die Karlgeorg Hoefer in den letzten Jahren noch selbst leitete, waren für alle Teilnehmer nicht nur lehrreich, sondern immer ein besonderes Erlebnis. Den Meister mit sicherer Hand Buchstaben oder freie, bewegte Zeichen zu sehen ließen Arbeitsfreude aufkommen. ...
... Er wollte erreichen, dass "jedermann" Freude und Erfolg zu verzeichnen hatte. Immer wieder wies er darauf hin, dass Sehenlernen wichtig ist, um die gute Form der Buchstaben zu erfassen. ...
... Die künstlerische Veränderung der Handschrift, Möglichkeiten, Charakterzüge in diesen Schriften zu erkennen und zu modifizieren, war eines seinerThemen. ...
... Er war immer auch ein Künstler seiner Zeit und bestrebt, moderne Möglichkeiten zu erproben. ...
(eines seiner Zitate: ... bis der Pinsel nicht mehr mit Euch schreibt, sondern Ihr mit ihm!)«

 

 




























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